09.06.2026

Autor:
Alwin Lajtos
techn. Produktionsleiter

Chromatieren

Korrosionsschutz spielt in der Metallverarbeitung eine zentrale Rolle. Zu den etablierten Verfahren zählt das Chromatieren, das besonders bei Zink- und Aluminiumoberflächen Anwendung findet. Vor dem Hintergrund steigender Umweltauflagen und technischer Anforderungen gewinnt das Verfahren mit dreiwertigem Chrom zunehmend an Bedeutung. 

Was versteht man unter Chromatieren?

Chromatieren bezeichnet ein chemisches Verfahren der Oberflächentechnik, bei dem Metalle mit einer chromhaltigen Schutzschicht versehen werden. Diese entsteht durch eine chemische oder elektrochemische Reaktion auf der Metalloberfläche und zählt zu den Passivierungsschichten, die das Grundmaterial vor Korrosion schützen. Die Chromatschicht beeinflusst außerdem Eigenschaften wie Haftfestigkeit, elektrische Leitfähigkeit oder das optische Erscheinungsbild der Oberfläche.

Reihe chromatierter Aluminiumkomponenten in Gestellaufhängung für chemische Oberflächenbehandlung

Chromatieren als Teil des Passivierungsverfahrens

Das Chromatieren zählt zur Familie der Passivierungsverfahren, die bei Zink- oder Aluminiumteilen eingesetzt werden, um deren natürliche Oxidschicht gezielt zu verstärken. Die Passivierung bildet eine dünne, chemisch stabile Schicht, die das Metall gegen Korrosion schützt. Heute wird Chromatieren oft synonym mit Passivieren verwendet, obwohl es ursprünglich ein spezieller Teilbereich war. Mit zunehmender Bedeutung von chromfreien Alternativen wird jedoch allgemein von Passivierung gesprochen. 

Wie funktioniert das Chromatieren?

Die Herstellung einer funktionalen Chromatschicht erfolgt in mehreren definierten Prozessschritten, die eine saubere und gleichmäßige Oberflächenveredelung sicherstellen.

Vorbereitung

Das Werkstück wird gründlich gereinigt und entfettet. Dieser Schritt entfernt Öle, Fette und Schmutz, damit später eine gleichmäßige und belastbare Schutzschicht entsteht.

Behandlungsbad

Anschließend wird das Bauteil in ein chromathaltiges Bad getaucht oder mit einer entsprechenden Lösung benetzt. Dabei kommen entweder saure oder neutrale Chromverbindungen zum Einsatz.

Schichtbildung

Im Bad reagiert die Metalloberfläche mit den Chromverbindungen. Ergebnis dieser chemischen Reaktion ist eine Konversionsschicht, die eine dünne, fest gebundene Schutzschicht ist, die das Metall vor Korrosion bewahrt.

Spülen und Trocknen

Nach dem Chromatieren wird das Werkstück sorgfältig gespült, um Rückstände zu entfernen, und anschließend getrocknet.

Variante des Verfahrens

Je nach Form und Größe des Werkstücks kann das Chromatieren als Tauch-, Sprüh- oder Tauch-Trommelverfahren durchgeführt werden. Diese Varianten ermöglichen die Anpassung an unterschiedliche Fertigungsbedingungen und Geometrien.

Aluminiumkomponenten an Transportketten im Tauchbad während der chemischen Konversionsbeschichtung im Rahmen der Chromatierung

Was ist der Unterschied zwischen Chromatieren und Passivieren?

Unter Passivieren versteht man ganz allgemein eine chemische Oberflächenbehandlung, bei der Metalle mit einer schützenden Schicht versehen werden, um sie vor Korrosion zu bewahren. Das Chromatieren ist dabei eine spezielle Variante dieser Methode, denn es nutzt gezielt Chromverbindungen, um diese schützende Passivschicht zu erzeugen.

Umweltaspekt im Fokus: Chrom(VI) unter Druck

In der industriellen Oberflächenbehandlung steigt der Druck, gesundheits- und umweltschädliche Stoffe wie Chrom(VI) zu ersetzen. Als besonders kritisch eingestuft, unterliegt dieser Stoff strengen Vorgaben: Die REACH-Verordnung verpflichtet Unternehmen zur Prüfung von Alternativen, wohingegen die RoHS-Richtlinie den Einsatz in Elektrogeräten beschränkt. Das treibt die Entwicklung umweltfreundlicher Verfahren maßgeblich voran.

Konsequenzen für die Oberflächentechnik

Vor dem Hintergrund strenger Vorgaben setzen immer mehr Unternehmen auf umweltfreundlichere Verfahren. Die klassische Chromatierung mit Chrom(VI) wird zunehmend durch moderne Passivierungen ersetzt, besonders in stark regulierten Branchen wie der Automobil- und Elektroindustrie. Diese Alternativen erfüllen technische Anforderungen und fördern nachhaltige Lösungen. Der Wandel zeigt, wie stark Gesetze Innovationen vorantreiben.

Dickschichtpassivierung als zukunftssichere Lösung

Eine bewährte Alternative ist die Dickschichtpassivierung auf Basis von Chrom(III) oder anderen unbedenklichen Elementen. Sie bietet zuverlässigen Korrosionsschutz, ist chrom(VI)-frei sowie REACH- und RoHS-konform. Besonders in Kombination mit Zink-Nickel-Schichten hat sich das Verfahren, als Beispiel für nachhaltige Lösungen mit hoher Leistungsfähigkeit, in der Industrie etabliert.

Aluminiumblöcke mit goldfarbener Chromatschicht während des Gestellprozesses in der Oberflächentechnik

Unterschiede der Chromatierungsarten

Die zunehmende Verdrängung von Chrom(VI) hat nicht nur neue, umweltfreundliche Verfahren hervorgebracht, sondern auch den Blick auf die Vielfalt bestehender Chromatierungsarten geschärft. Besonders die Farbunterschiede sind weit mehr als bloße optische Merkmale. Sie geben Hinweise auf die Zusammensetzung der Schichten, den verwendeten Chromtyp und die Schutzwirkung gegenüber Korrosion.

FarbeBeschreibung
TransparentDiese Variante ist optisch kaum wahrnehmbar und verändert das Erscheinungsbild des Metalls kaum. Sie enthält kein Chrom(VI) und bietet nur begrenzten Schutz gegen Korrosion.
BlauDie bläuliche Färbung ist sehr dezent und grenzt oft an eine transparente Schicht. Der metallische Glanz der Oberfläche bleibt vollständig erhalten. Je nach Verfahren kann die Schicht Chrom(VI) enthalten oder frei davon sein. Der Korrosionsschutz ist ebenfalls nur gering.
GelbDer gelbliche Farbton erinnert eher an Messing. Die Farbe ist häufig nicht ganz einheitlich und zeigt changierende Effekte, die ins Rötliche oder Grünliche spielen können, was auch als „irisierend“ bezeichnet wird. Diese Chromatierung enthält Chrom(VI) und ist aufgrund ihres sehr guten Korrosionsschutzes sowie der wirtschaftlichen Verarbeitung weit verbreitet.
OliveDiese Variante zeigt einen kräftigen, grünlich-braunen Farbton, der dem Werkstück ein eher lackiertes Aussehen verleiht. Der metallische Charakter tritt deutlich in den Hintergrund. Die Schicht enthält Chrom(VI) und bietet einen besonders hohen Korrosionsschutz.
SchwarzIm Vergleich zu einer Lackierung ist der Farbton weniger intensiv. Teile des metallischen Glanzes bleiben sichtbar. Diese Chromatierung basiert auf Chrom(VI) und bietet mittleren bis guten Korrosionsschutz. Sie ist jedoch nicht mit der Schwarzverchromung zu verwechseln, bei der eine ganz andere Beschichtungstechnik zum Einsatz kommt.

Chromatieren vs. Verchromen: Wo liegt der Unterschied?

Chromatieren und Verchromen werden häufig verwechselt, bezeichnen jedoch zwei unterschiedliche Verfahren. Beim Chromatieren entsteht durch eine chemische Reaktion eine schützende Umwandlungsschicht auf der Metalloberfläche, ohne dass Material aufgetragen wird. Ziel ist vor allem der funktionale Korrosionsschutz. 

Beim Verchromen hingegen wird mithilfe eines galvanischen Prozesses eine glänzende, metallische Chromschicht aufgebracht, meist aus dekorativen oder verschleißtechnischen Gründen. Kurz gesagt: Chromatieren verändert die Oberfläche chemisch zum Schutz – Verchromen überzieht sie metallisch zur Veredelung.

Glänzende Aluminiumfelgen mit galvanischer Chrombeschichtung zur dekorativen Oberflächenveredelung, keine Chromatierung

Fazit

Chromatieren ist ein zentrales Verfahren zum Korrosionsschutz und zur Vorbereitung weiterer Beschichtungen. Es bietet funktionelle Vorteile und vielfältige Farboptionen. Durch den Verzicht auf Chrom(VI) gewinnen umweltfreundliche Alternativen wie die Dickschichtpassivierung an Bedeutung. Wer Verfahren und Vorschriften kennt, gestaltet Oberflächen nachhaltig und sicher.

09.06.2026

Autor:
Alwin Lajtos
techn. Produktionsleiter

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